SOLID SIGNS

23. Januar – 26. April 2015


New Frankfurt Internationals: Solid Signs knüpft inhaltlich an das schon seit längerer Zeit zu beobachtende Interesse an der physischen Präsenz von Kunstwerken und der Belebung traditioneller künstlerischer Techniken.

Konzeptuellen Kunstansätzen nach verweist das Kunstwerk als Repräsentation auf etwas Abwesendes; es steht als Zeichen für einen künstlerischen Gedanken oder eine Idee und muss nicht zwingend (vom Künstler selbst) ausgeführt werden. Im Vordergrund dieser Verschiebung von visuellen, hin zu semantischen Aspekten stehen dabei Konzepte und Ideen, die zum Beispiel als Skizzen oder Anleitungen vorhanden sein können und vor allem die Vorstellungskraft des Betrachters ansprechen sollen. Eingesetzte Materialien oder Techniken haben in diesem Sinne vor allem eine dienende Funktion und sollten möglichst nicht vorhanden oder nicht zu erkennen sein. Etwa zeitgleich mit der Entwicklung konzeptueller Kunstströmungen in den 1960er Jahren begann auch in anderen Bereichen, wie der Ökonomie, Ökologie und in den Geistes- und Sozialwissenschaften, ein Wandel in der Bewertung von Material und Technik. Die Fokussierung auf Kommunikationsprozesse, das Erfassen und Vermitteln von Daten und Informationen, Virtualisierung und Digitalisierung führten dabei zu einer Veränderung der Bewertung einer Form-Material-Relation und haben nach wie vor eine weitreichende »Ent- und Rematerialisierung« unserer Welt zur Folge.

In letzter Zeit ist ein erneuter Wandel zu beobachten: Die in der Welt vorhandenen materiellen Mittel, ihre Technologien und Physiologie sind in unterschiedlichen Wissensbereichen wieder von Interesse. Auch eine jüngere Künstlergeneration setzt sich in ihrer Praxis mit der Materialität von bildnerischen Mitteln und deren jeweiligen Ausdrucksqualitäten auseinander und greifen dafür vornehmlich auf analoge Verfahren zurück. Sie entwerfen eigene Bilder und Bildwelten und verwenden als künstlerische Archäologen nicht nur vorhandenes Bildmaterial. Dabei hat die stoffliche Dimension die gleiche Wichtigkeit wie die Ausführung und der Inhalt eines Kunstwerkes und kann selbst auch zum Ausgangspunkt von Wahrnehmungs- und darüber hinausgehend Zeichenprozessen (Interpretation) werden. Die Betonung physischer Präsenz von Objekten und Dingen erscheint als ein greifbarer Gegenentwurf im Zeitalter der Digitalisierung.

Diese Entwicklung ist ein tragendes Motiv für New Frankfurt Internationals: Solid Signs. Die KünstlerInnen in der Ausstellung fotografieren ihre Umgebung analog, ziehen Bilder auf Papier selbst ab oder verbinden Fotochemie und Entwicklungsprozesse mit ungewöhnlichen Materialien und Situationen. Großformatige Landschaftsporträts entstehen in der Natur mittels Papier und Bleistift und verweisen so auch auf einen entschleunigten Herstellungsprozess; anstelle von Digitalkameras werden Super 8 Kameras eingesetzt, um atmosphärische statt technisch perfekte Bilder aufzunehmen und einfache Grundstoffe wie Holz und Gips werden als vielfältige Ausgangsmaterialien für Skulpturen wiederentdeckt. Neue Materialien und Verfahren werden von ihnen ebenso angewendet und hinsichtlich ihrer ästhetischen und körperlichen Qualitäten befragt und als Reflexion über eine physisch verfasste Welt verwendet.

Lilian Engelmann (Kuratorin Frankfurter Kunstverein)

Elke Gruhn (Kuratorin Nassauischer Kunstverein Wiesbaden)




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KATALOG
NEW FRANKFURT INTERNATIONALS: SOLID SIGNS

Hrsg. Frankfurter Kunstverein und Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
Katalogredaktion: Lilian Engelmann (FKV), Elke Gruhn (NKV)
Deutsch/Englisch, 56 Seiten, Softcover
5 €



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